Das Streblowsche Haus in Wolfenbüttel

Das Streblowsche Haus in Wolfenbüttel

Bald 40 Jahre ist es her, dass das einst angesagte Modehaus Streblow in der Wolfenbütteler Fußgängerzone seine Türen für immer schloss. Dort, wo heute das Damenbekleidungsgeschäft Bonita ansässig ist, beschäftigte die Familie Streblow ihrerzeit rund zehn Verkäuferinnen. Augenscheinlich erinnert heute nichts mehr daran, doch das soll sich jetzt wieder ändern.

Nachdem Günther Streblow im Jahr 2005 und seine Frau Mimi im Jahr 2016 verstorben waren, stand für ihre drei Kinder Wolfgang, Günther und Birgit fest, dass das im Familienbesitz befindliche Haus verkauft werden muss. Zu hoch war der Investitionsstau und zu kompliziert die spätere Erbfolge. Doch an dem Haus hängen Emotionen. Es ist das Geburtshaus der drei Kinder. In den über dem Ladengeschäft liegenden Wohnungen sind sie aufgewachsen. Und so wollten sie das Haus nur in die Hände eines neuen Eigentümers geben, der die Geschichte zu würdigen weiß und der Immobilie auch wieder zu neuem Glanz verhelfen kann.

Handwerker kommen aus der Region

Mithilfe des Amtsleiters für Wirtschaftsförderung und Tourismus bei der Stadt Wolfenbüttel, Dietrich Behrens, entstand im Sommer 2017 Kontakt zu den Bad Harzburger Immobilien-Unternehmern Julius und Jobst Junicke. Die beiden Brüder haben sich unter anderem auf die Entwicklung und Sanierung von Altbauten spezialisiert und wollen in die Region investieren. Schnell stellte man fest, dass man gemeinsame Werte und Visionen hat und wurde sich einig. Im Oktober 2017 verkauften die Streblow-Kinder das Haus an die Junicke & Co. GmbH & Co. KG. Seither hat sich viel getan.

Gemeinsam mit Julius Junicke haben sich Wolfgang Streblow und seine Schwester Birgit Häfner jetzt angesehen, was aus dem im Jahr 1911 erbauten Haus geworden ist. Schon von außen sieht man deutlich, dass sich hier etwas verändert hat. Die Fassade hat einen frischen Anstrich erhalten. “Beige, mit einem abgesetzten Lindgrün”, erklärt Julius Junicke und zeigt gleich weiter auf die Giebel der Nachbarhäuser. Auch dort hat man den beigen Farbton mit Einverständnis der Eigentümer aufgebracht. Das Dach hat man mit einem sogenannten “Harzer Doppeldach” neu eingedeckt. Dies sei besonders beständig gegen stürmische Wetterlagen. Und auch im Inneren hat sich einiges getan. Heizung, Elektrik, Fenster, Putz – vieles wurde und wird noch erneuert. “Alles mit eigenen Mitarbeitern und Unternehmen aus der Region”, sagt Junicke und plädiert dafür das Handwerk vor Ort zu stärken.

Erinnerungen an die Kindheit

Als die beiden Streblow-Kinder den langen Flur in der einstigen Wohnung der Großmutter betreten, werden die Erinnerungen sichtlich wach. “Hier habe ich Fahrradfahren gelernt”, erzählt Wolfgang Streblow mit einem Lachen im Gesicht und schreitet über den neuen Holzboden in Richtung Wohnzimmer. Dort, in einem nach außen zur Langen Herzogstraße gerichteten Erker, habe die Oma immer gesessen und das Treiben der Leute in der Fußgängerzone beobachtet. “Das Facebook der letzten Jahrhunderte”, merkt er an. Viele dieser Erinnerungen an die Geschichte der Streblows möchten die neuen Eigentümer wieder sichtbar machen. Im Treppenhaus sollen alte Familienfotos aufgehängt werden und auf der Fassade künftig der Schriftzug “Streblowsches Haus” stehen.

Die Junicke Brüder wollen die Wohnungen jetzt nach ihrem ganz eigenen Konzept vermieten. “Als Vermieter müssen wir über neue Wohnformen nachdenken und uns verändern”, erzählt Julius Junicke und meint, dass man sich den Begebenheiten der Zeit anpassen müsse. So werden die Wohnungen im Streblowschen Haus nun als Wohngemeinschaften angeboten, bei denen beispielsweise Studenten oder Alleinstehende aber auch Firmen für ihre Mitarbeiter einzelne Zimmer mieten können. Die Raumtüren sind bereits mit Schließzylindern ausgestattet, eine Gemeinschaftsküche vorhanden. Aber auch ganz traditionell könne man die Wohnungen natürlich als Ganzes mieten. So, wie es gerade passe.

“Eigentum verpflichtet”

Das Streblowsche Haus ist für Junicke eine Herzensangelegenheit. Nicht nur, weil es das erste Haus in der Lessingstadt ist, das sein Unternehmen hier erworben hat. “Ein Haus hat eine Seele und dieses hier eine über 100-jährige Geschichte zu erzählen. Wir sind glücklich, dass die Tradition weiterleben kann”, sagt er und blickt kritisch auf die Investitions-Bereitschaft anderer Immobilienbesitzer in der Wolfenbütteler Innenstadt. “Eigentum verpflichtet”, mahnt der Immobilienunternehmer Junicke und sieht auch diese in der Pflicht ihre Häuser sowohl optisch als auch wohnlich auf Vordermann zu bringen. “Das ist die historische Geschichte dieser Stadt. Es ist wichtig diese Werte zu erhalten”, sagt er und sieht zudem eine Förderung des Stadtlebens darin. Dass einige Eigentümer ihre Häuser zugunsten größerer Ladenflächen so umgebaut haben, dass die darüber liegenden Wohnungen nicht mehr über Treppen erreichbar sind und dadurch brach liegen, stößt bei Junicke in Zeiten knappen Wohnraums auf Unverständnis. Hier fordert er ein Umdenken, das letztendlich auch der Belebung der Innenstadt diene.

Ein ausdrückliches Lob richtet der Immobilienunternehmer an die Stadt Wolfenbüttel. “Alle in der Verwaltung haben uns bei diesem Vorhaben sofort unterstützt. Es gibt Städte, da ist das ein ganz anderes Mitwirken.” Für Julius Junicke und seinen Bruder Jobst, die von sich selbst sagen sie wollen unsere Städte schöner machen, soll es bei passenden Angeboten nicht die letzte Investition in Wolfenbüttel sein.

Autor: Werner Heise. Mit freundlicher Genehmigung von RegionalHeute Wolfenbüttel.